
Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass sich Vitamin D in verschiedenster Weise positiv auf die Gesundheit des Menschen auswirkt. TAN BIZ sprach mit dem Ernährungswissenschaftler Dr. Nicolai Worm über die Bedeutung von Vitamin D.
TAN BIZ: Vor kurzem haben Sie das Buch „Heilkraft D“ auf den Markt gebracht. Um was geht es in Ihrem Buch?
Dr. Nicolai Worm: Es geht um die desaströse und paradoxe Situation, dass einerseits die Bevölkerung an einer dramatischen Mangelversorgung von Vitamin D leidet, andererseits alles dafür getan wird, um sich konsequent der einzigen relevanten Quelle für Vitamin D, der Sonne, zu entziehen.
TAN BIZ: Sie räumen in Ihrem Buch mit einigen Vorurteilen auf, die in der Bevölkerung gegen maßvolles Besonnen bestehen. Welche positiven gesundheitlichen Effekte können durch gesundes, maßvolles Sonnen, sowohl im Freien als auch im Sonnenstudio hervorgerufen werden?
Dr. Nicolai Worm: Etwas 90 bis 95 Prozent des lebenswichtigen Vitamin D in unserem Körper werden über die Sonnenbestrahlung produziert. Die Nahrung ist als Quelle irrelevant. Vitamin D, das eigentlich ein Hormon ist, wirkt im Körper wie eine Art Zentralschalter: In mehr als 30 Organen und Geweben schaltet es Hunderte von Genen ein, um die normalen Körperfunktionen auszulösen und zu steuern. Ist die Vitamin-D-Versorgung unzureichend, kommt es zu Funktionsstörungen und Krankheiten sind die Folge. Damit steigt das Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle, Brust-, Prostataund Darmkrebs, Hautkrebs und andere Krebsarten, Diabetes, Multiple Sklerose, Rheuma, Knochen- und Muskelschwäche, Grippe, Tuberkulose, Parkinson, Autismus, Depressionen und Schizophrenie. Wenn ab Mitte Oktober die Sonneneinstrahlung bis Mitte April sehr flach ist, findet in unseren Breitengraden auch durch die Sonne keine Vitamin-D-Bildung im Körper statt. Wer im Sommer keine hohen Vitamin-D-Reserven aufbaut kommt im Laufe des Winters in klinisch relevante Vitamin-D-Mangelbereiche und erhöht somit das Krankheitsrisiko.
TAN BIZ: Auf welchen Erkenntnissen beruhen Ihre Aussagen?
Dr. Nicolai Worm: Ich habe sehr sorgfältig und kritisch die Forschungsergebnisse der vergangenen 40 Jahre recherchiert, bewertet und zusammengefasst. Manche meiner Aussagen mögen viele überraschen, aber alle sind durch wissenschaftliche Arbeiten belegt.
TAN BIZ: Wäre es Ihrer Meinung nach sinnvoll bei gewissen Krankheitsbildern bzw. zur Prävention bestimmter Krankheiten den Gang unters Solarium als eine Art Medizin einzusetzen?
Dr. Nicolai Worm: Die Frage ist schwierig zu beantworten, da nur wenig Studien den Einfluss von Solarien auf die Krankheitsentstehung – außer auf Hautkrebs – untersucht haben. Im Prinzip gilt aber das Gleiche wie bei der Sonnenbestrahlung. Sofern Lampen mit entsprechenden UV-B-Anteilen eingesetzt werden, kommt es zur Vitamin-D-Bildung. Regelmäßiges, sehr vorsichtiges Sonnen im Solarium sollte nach derzeitigem Wissen folglich die gleichen präventiven Wirkungen entfalten wie vernünftiges Sonnen oder Supplementierung. Es müssen natürlich auch die gleichen Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden, wie beim natürlichen Sonnen. Tatsächlich zeigen viele Studien, dass ein guter Vitamin-D-Status vor Hautkrebs schützt und bei bereits vorhandenem Hautkrebs die Überlebensrate erhöht.
TAN BIZ: Sie haben es angesprochen: Es gibt etliche Studien, die die positive Wirkung von Solarien stützten. Was müsste Ihres Erachtens geschehen, damit sich diese Nachrichten in der Öffentlichkeit gegen die immer wiederkehrende negative Berichterstattung durchsetzen?
Dr. Nicolai Worm: Meinungsbildner, die gegen den Zeitgeist sachlich auf die tatsächliche Datenlage hinweisen und Medien die dies auch entsprechend würdigen. Aber es gibt eine mächtige Lobby, die davon profitiert, dass man die Sonnenbestrahlung in jeder Art und Weise als gefährlich darstellt.
TAN BIZ: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) setzte vor kurzem Solarien auf eine Stufe mit Asbest und Senfgas. Wie konnte es dazu kommen und was hat sie zu dieser Einordnung veranlasst?
Dr. Nicolai Worm: Hier geht es offenbar wieder einmal darum, eine politische Position zu vertreten, denn die Daten aus der Wissenschaft geben dies in keiner Weise her. Man bedenke: Es gibt keine gesundheitsförderliche Wirkung von leichter oder moderater Asbest- oder Senfgasexposition, aber es gibt Hunderte von Studien, die zahlreiche gesundheitsförderliche Effekte von regelmäßiger aber mäßiger Sonnenexposition belegen.
TAN BIZ: Vielen Dank für das Gespräch.