Die Gesichter des "Sonnen-Hormons"

„Vitamin D-Update 2011“ in Berlin

Unter dem Titel „Vitamin D-Update 2011“ fand am 9. April im Charité Universitätsklinikum in Berlin eine in Deutschland bislang einmalige Veranstaltung statt. Unter der Leitung der beiden als Vitamin D-Experten bekannten Professoren Dr. Jörg Reichrath und Dr. Jörg Spitz hatten 22 nationale und internationale Referenten (darunter fünf Experten aus den USA und Kanada) mehr als 300 Ärzte und andere Heilberufler nach Berlin gelockt.

Organisiert wurde die Veranstaltung von der gemeinnützigen Deutschen Stiftung für Gesundheitsinformation und Prävention. Ziel der Veranstaltung war es, die Anwesenden über die neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet von Vitamin D zu informieren. Anlass für die Veranstaltung war der aktuell nachgewiesene Vitamin D-Mangel in weiten Teilen der Bevölkerung einschließlich der Kinder und die neuesten Erkenntnisse über die enorme Bedeutung von Vitamin D für unsere Gesundheit – quer durch alle Bereiche der Medizin. Entsprechend breit waren die Vortragsthemen aufgestellt; sie reichten von Herzerkrankungen über Diabetes und Krebs bis hin zu zahlreichen Nerven-, Infektions- und Autoimmunerkrankungen.

Die Anliegen der Referenten

Die Anliegen der Referenten, zu denen einige der weltweit renommiertesten Vitamin D-Forscher, wie beispielsweise die Profesoren M. F. Holick, B. Hollis und R. Vieth zählten, wurden in einer Art „Berliner Manifest“ festgehalten, das sich aus sechs zentralen Punkten zusammensetzt. Darin heißt es unter anderem: „Es besteht ein weltweiter Mangel an Vitamin D, der vorwiegend ausgelöst wird durch die Veränderungen des Lebensstils infolge des technischen Fortschritts. Zusätzlich resultiert in Verbindung mit der Angst vor Hautkrebs ein zu geringer Aufenthalt in der Sonne.“
Mit Hinweis auf die inzwischen weit über 10.000 wissenschaftlichen Studien zum Thema Sonne, UV-Strahlen, Vitamin D und Gesundheit stellten die Experten fest, dass „ein Mangel an Vitamin D wahrscheinlich fast alle chronischen Krankheiten fördert, darunter Diabetes, Krebs, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf- Erkrankungen, Nervenerkrankungen, Autoimmunerkrankungen, Infektionskrankheiten und Allergien“.

Forderung nach mehr natürlicher und künstlicher Besonnung

Die Folgerungen daraus für die Öffentlichkeit, die Politik und die Fachwelt: „Die derzeitigen Regelungen zur Versorgung der Bevölkerung werden dem Vitamin DMangel nicht gerecht. Daher ist es erforderlich, die Empfehlungen zur natürlichen und künstlichen Sonnenexposition zu überarbeiten.“ Dafür sei es notwendig, dass „Fachgesellschaften und die Öffentlichkeit … diese Erkenntnisse in die entsprechenden Empfehlungen umsetzen“.
Einig waren sich alle Beteiligten über die Wichtigkeit einer besseren Versorgung der Bevölkerung mit Vitamin D durch mehr (natürliche wie künstliche) Besonnung und/oder Nahrungsergänzung, vor allem für die Vorbeugung und Behandlung der am weitesten verbreiteten chronischen Volkskrankheiten. Über das Wie und vor allem das Wieviel allerdings gab es durchaus unterschiedliche Meinungen.
Dr. Nikolai Worm, bekannt durchs sein Buch „Heilkraft D“, sprach zudem davon, dass Vitamin D durch geeignete Solarien gebildet werden könne. Und Prof. Holick bekräftigte seine oft geäußerte Meinung: „Der vernünftige Umgang mit Sonnenbänken ohne Sonnenbrand ist meiner Meinung nach kein Risikofaktor für Hautkrebs.“
Allen Referenten lag daran, die wachsende Popularität des „Sonnen-Hormons“ in den Medien mit Bezeichnungen wie „Wunder-Droge“ und „Jahrhundert-Vitamin“ auf eine sachliche Basis zurückzuholen. Trotz der nicht abreißenden Flut von neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen sei die Forschung zu diesem lebenswichtigen Vitamin/Hormon erst am Anfang. Schon jetzt aber sei mehr als deutlich, dass sich weitere Investitionen in die Forschung auch für die nationalen Gesundheitssysteme und ihre Finanzierung auszahlen würden, so die Meinung der Referenten.

Fazit

Das Fazit von Prof. Dr. Jörg Spitz bezüglich des „Vitamin D-Update 2011“ fällt wie folgt aus: „Mit der Konferenz ist es gelungen, einen Pflock in der medizinischen Landschaft in Deutschland einzuschlagen und sowohl die Mangelsituation als auch die umfassende Bedeutung von Vitamin D für die Gesundheit der Menschen zu dokumentieren.
Weitere gezielte Maßnahmen in der Öffentlichkeitsarbeit sind erforderlich, um der Aktion zusätzlichen Rückenwind zu geben. Dabei ist allen Experten klar, dass noch ein weiter Weg zu gehen ist, bis sich eine mehr als 50-jährige Fehlentwicklung in der Gesellschaft wieder korrigieren lässt.
Wer erwartet hatte, dass auf der Konferenz ein flammender Appell für eine vermehrte Sonnenexposition erfolgen würde, mag enttäuscht worden sein. Aber so richtig der Hinweis auf die Bedeutung der (natürlichen und künstlichen) Sonne für die Gesundheit der Menschen auch ist, es hat keinen Zweck, den zweiten Schritt des Aktionsplans vor dem ersten zu tun, da ein solches Vorgehen die ganze Aktion in Frage stellen könnte.
Der Titel der Konferenz lautete nicht von ungefähr: Vitamin D-Update 2011. Erst wenn die umfassende Bedeutung von Vitamin D als Gesundmacher auf breiter Front in der Bevölkerung und in der Ärzteschaft angekommen ist, kann im zweiten Schritt darüber nachgedacht werden, mithilfe welcher Maßnahmen das Defizit zusätzlich ausgeglichen werden kann. Dann kann auch die künstliche UVStrahlung als Ersatzsonne einen Platz für sich einfordern.
Voraussetzung dafür ist, dass die Zeit bis dahin genutzt wird, bestimmte Hausaufgaben zu machen. Dazu gehört neben der Betriebssicherheit (zum Beispiel mithilfe des vorgestellten Sensorkonzepts) auch der Nachweis, dass und wie viel Vitamin D bei der Nutzung des jeweiligen Gerätetyps produziert wird.“